ein Auszug aus der Geschichte:

Die Burg ist das bedeutenste Baudenkmal der Stadt Alsdorf. Um 1902 bewohnte Friedrich Josef Freiherr von Blanckart mit Gattin Clementine von Coels von der Brüggen die Burg. Zu dieser Zeit bewohnte die Familie das "Schloß" schon in der 8.Generation seit 1650. Und die Burgherrschaft zu Alsdorf ist noch älter. Heimatforscher Friedrich Schmitz hat gute Gründe gefunden, die Anfänge Alsdorfs in Zusammenhang mit der Pfarre St.Castor in der Zeit Ludwig`s des Frommen zu vermuten ( 9.Jahrh. ). Urkundlich belegbar aber ist ein Gottfried von Lovenberg (1150), dessen Nachkommen über sieben Generationen bis 1405 die Herren von Alstorff waren. Es folgte das Geschlecht derer von Hoemen, bis mit Gottschalk Freiherr von Harff 1478 diese Familie fast 200 Jahre lang die Herrschaft ausübte.

Schreitet man von der Parkseite aus den Süd- und Ostflügel des Gebäudes ab, betrachtet die zwei Reihen
der hohen Fenster, die dekorativen Treppengiebel und stellt sich dann in den zugeschütteten Wassergraben
direkt an das Fundament des Rundturms, so ist der eindruck dieses wuchtigen Bauwerks besonders groß.
Die Höhe von 23 Metern und der Außendurchmesser von 1,72 Metern, verjüngt sich nach oben bis immer noch 1,15 Meter.
Da eine gründliche Bauuntersuchung des Gebäudes noch aussteht, ist eine genaue Datierung nicht möglich.
Der Turm könnte, so wie viele Burgen im Rheinland, im 14./15 Jahrhundert - vielleicht auf einem noch älteren Gebäude -
entstanden sein. Für die Burgherren ist dieser Turm Ausdruck ihres Anspruchs auf ewige Herrschaft und sowohl
Symbol als auch Nachweis ihrer ritterlich-adligen Herkunft. Da schon 1354 Harper von Lovenberg die volle Gerichtsbarkeit
erhielt, ist der Turm als Ort des Gerichts auch Zeichen der Macht. Als 1775 zwölf Mitglieder der sogenannten Bockreiterbande
vom Burgherrn zum Tode veruteilt wurden, war dagegen keine Revision an höherer Stelle möglich.
Die geschwungene Turmhaube, genannt welsche Haube, entspricht dem Zeitgeist des 16. Jahrhunderts. Die
Konstruktion im Innern beeindruckt durch die tonnenschweren Eichenbalken, die frei auf dem obersten
Mauerring ruhen. Diese konnten selbst das Erdbeben von 1992 nicht erschüttern.
Von der Anlage her ist die Alsdorfer Burg eine typische Wasserburg. Dem befestigten Wohnsitz des adligen
Herrn in der Hauptburg lag der Wirtschaftshof u-förmig gegenüber, beide aber auf voneinander getrennten Inseln.
Von der Hauptburg kam man nur über eine Brücke in die Vorburg. Da 1847 der Westflügel der Hauptburg wegen großer
Dachschäden eingerissen wurde und 1890 ein Großbrand fast alle Ställe der Vorburg bis auf den Torbau
und den Pachthof vernichtete, kann man sich die Gesamtanlage heute nur noch schwer vorstellen. Auch
die letzten Wassergräben wurden damals zugeschüttet.

Lageskizze der Alsdorfer Burg
1. Hauptburg heute, 2. abgerissener Westflügel (die kleine
Pflasterung an dieser Stelle heute soll daran erinnern) 3. Remise mit
Gefängniszellen, 4. Scheune, 5. Ställe, 6. Pachthof, abgerissen in den 60er
Jahren, enthielt bis 1902 auch die Schnapsbrennerei (Baronskorn) 7. Torbau
Den Haupteingang ziert das Heiratswappen von Alexander Freiherr von Blanckart und seiner Gattin Maria
Florentina von Wachtendonk-Germenseel mit der Jahreszahl 1723. In diese Zeit fällt wohl der größte
Umbau der Anlage. Der Westflügel entsteht, die Remise und die weitläufigen Vorbauten. die alte Tür ist sicher
nicht aus dieser Zeit, sondern eher aus dem 19. Jahrhundert.
An Mauersplinten des Ostflügels ist die Jahreszahl 1617 zu entdecken. Bisher wurde daraus geschlossen,
dass dieser Gebäudeteil neben dem Rundturm der älteste wäre. Aber der schön erhaltene gotische Dachstuhl
des Südflügels widerspricht dieser Annahme. Im Inneren der Hauptburg beeindruckt die großzügige barocke
Wirkung im Treppenhaus gewesen sein, als noch farbige Glasfenster das Licht dämpften?
Ein Kuriosum ist der neugotische Erker (ca. 1890) an der
Außenseite des Westflügels. Nach mündlicher Überlieferung soll hier die erste
Alsdorfer Toilette mit Wasserspülung eingerichtet worden sein. Heute lassen sich
frisch getraute Paare gern vor der Burg fotografieren, mit dem Motiv des
zierlichen Erkers im Hintergrund.

Am südlichen
Ausgang des Burgparks trennt die Burgmauer den Bereich des alten Friedhofs mit
dem Rest der Pfarrkirche ab. die 1894 wegen Baufälligkeit abgerissen werden
mußte. Stehengeblieben ist der Teil, in dem die Familiengruft der Alsdorfer
Burgherren liegt. Urkundlich nachgewiesen ist, dass mindestens seit 1295 hier
eine Kapelle stand. Zunächst war diese, wie Schmitz belegt, wohl eine
Eigenkirche desGrundherrn, später übte er nur noch das Patronat aus (z.B.
Vorschlagsrecht zur Besetzung der Pfarrstelle). bis in der Franzosenzeit auch
die letzten Reste der Bindungen zwischen Grundherrn und Kirche durch die neue
weltliche und kirchliche Ordnung aufgehoben wurden. 1503 war es durchaus
standesgemäß, wenn Ritter Gottschalk von Harff den Kaplan der Kirche durch eine
Stiftung verpflichtete, jeden Dienstag in der eigenen Hauskapelle eine Messe zu
lesen.

Die Burgkapelle befand sich bis 1925 im Erdgeschoss des Burgturms. Erhalten sind davon die beiden Glocken.
Beide befinden sich heute in der Christus-König-Kirche im Ortsteil Busch.
Die alten Grabsteine stehen heute nicht mehr an ihrem
ursprünglichen Ort sondern an der Stelle der abgerissenen alten Kirche. Leider
geht die Besinnlichkeit und Ruhe des Friedhofs durch die fehlende Abgrenzung
verloren. Der älteste Grabstein stammt von 1636.

Literaturnachweis:
Kraemer, Adolf: Alsdorf Geschichte einer Stadt, 1971
Schmitz, Friedrich: Die Pfarre St. Castor zu Alsdorf 1295-1995